Unser alter Fritz. Ein Abschied
Fritz, unser alter Hafenkran aus dem Mülheimer Hafen, ist gut angekommen an seinem neuen Bestimmungsort: im 488 Kilometer von Köln entfernten Roßlau. Auf der stadteigenen Homepage hat man ihn freundlich empfangen. Auch das “Roßlauer Wochenblatt” begrüßte ihn auf seiner Titelseite. Wir wissen ihn also in guten Händen, möchten hier aber weiter an ihn erinnern: an Fritz, unseren Hafenkran.
Ist es nicht schrecklich albern, einem Ding nachzuweinen – und sei es auch ein derart großes? Dinge, Menschen, Tiere kommen und gehen. So ist das Leben, und so hat es Sinn. Unfug, daran rütteln zu wollen. Doch dass Fritz von uns geht, ist trotzdem traurig.
Dabei geht er nicht einmal für immer. Er verlässt uns nur, um andernorts noch einmal seinen Dienst zu tun, der hier – im Mülheimer Hafen im Kölner Osten – nicht mehr vonnöten war. Fast 40 Jahre lang hat er Tonnenschweres gehoben und abgesetzt, gehoben und abgesetzt. Mehr muss ein Kran nicht können. Er hat Container verladen, Autos an Deck getragen und bisweilen auch die Dampfer der Köln-Düsseldorfer Hafengesellschaft, die hier ein Winterquartier unterhält, in den Werftstand gehievt, um Reperaturen zu ermöglichen. Seit 1963 versah er treu sein Werk – an großen und an kleinen Schiffen. Und auf dass er auch in die entlegeneren Winkel des kleinen Hafenbeckens langen könne und überdies ein wenig Auslauf habe, hat man ihm damals ein Gleis spendiert von 200 Metern Länge. Aber was heißt schon Gleis? Zwei Dampfloks alten Schlags könnten hier zum Rennen antreten, ohne eins der beiden Geläufe zu touchieren. Unser Fritz hat die Spurweite eines Urzeit-Dinosauriers – und ein bisschen ist er das ja auch.
Seit zwei Jahren stand er nur noch still und stumm. Zählte wohl zum alten Eisen, dabei stand er doch noch – weithin sichtbar – voll im Saft: wie er, von der Katzenbrücke aus betrachtet, den viel berühmteren Dom, der aus der Innenstadt herüberspitzt, um ein Vielfaches überragte; wie er scharf seine Silhouette an den Abendhimmel zeichnete, ehe er als Schatten in den nächtlichen Sternbildern versank, als sei er selber eine schwarze Galaxie; wie er tagein tagaus seine Winde im Winde baumeln ließ, gleich einem königlichen Mammut, das seinen Rüssel wiegt.
Fritz, unser Hafenkran, muss gehen. In unseren Herzen wird er bleiben. Ist das albern? Mag sein. Es stimmt, dass in Hamburg, Travemünde oder Rotterdam ihrer zahllos ineinander ragen – in der Masse einer wie der andere, gigantische Werkzeuge nur, ersetzbar, namen- und bedeutungslos. Doch wir hatten nur den einen. Er gab unserer kleinen Heimat ein Gesicht, dem wir gern entgegenblickten.
Nun wird er selbst verschifft, statt zu verschiffen, reist vier Tage lang nach Sachsen-Anhalt. In Roßlau wird er noch gebraucht. Hier, bei uns, stiftete er nur Flair. Gönnen wir ihm, unserm Fritz, die späte Karriere. Wünschen wir ihm alles Gute an seinem neuen Bestimmungsort. Bestimmt wird er auch dort dem Firmament eine Zierde sein und jene Menschen verzaubern, die dafür ein Auge haben. Wir jedenfalls werden nie in den Mülheimer Horizont blicken können, ohne dabei Fritz zu sehen. Fritz, unsern Hafenkran.
Ist es nicht schrecklich albern, einem Ding nachzuweinen – und sei es auch ein derart großes? Dinge, Menschen, Tiere kommen und gehen. So ist das Leben, und so hat es Sinn. Unfug, daran rütteln zu wollen. Doch dass Fritz von uns geht, ist trotzdem traurig.
Dabei geht er nicht einmal für immer. Er verlässt uns nur, um andernorts noch einmal seinen Dienst zu tun, der hier – im Mülheimer Hafen im Kölner Osten – nicht mehr vonnöten war. Fast 40 Jahre lang hat er Tonnenschweres gehoben und abgesetzt, gehoben und abgesetzt. Mehr muss ein Kran nicht können. Er hat Container verladen, Autos an Deck getragen und bisweilen auch die Dampfer der Köln-Düsseldorfer Hafengesellschaft, die hier ein Winterquartier unterhält, in den Werftstand gehievt, um Reperaturen zu ermöglichen. Seit 1963 versah er treu sein Werk – an großen und an kleinen Schiffen. Und auf dass er auch in die entlegeneren Winkel des kleinen Hafenbeckens langen könne und überdies ein wenig Auslauf habe, hat man ihm damals ein Gleis spendiert von 200 Metern Länge. Aber was heißt schon Gleis? Zwei Dampfloks alten Schlags könnten hier zum Rennen antreten, ohne eins der beiden Geläufe zu touchieren. Unser Fritz hat die Spurweite eines Urzeit-Dinosauriers – und ein bisschen ist er das ja auch.
Seit zwei Jahren stand er nur noch still und stumm. Zählte wohl zum alten Eisen, dabei stand er doch noch – weithin sichtbar – voll im Saft: wie er, von der Katzenbrücke aus betrachtet, den viel berühmteren Dom, der aus der Innenstadt herüberspitzt, um ein Vielfaches überragte; wie er scharf seine Silhouette an den Abendhimmel zeichnete, ehe er als Schatten in den nächtlichen Sternbildern versank, als sei er selber eine schwarze Galaxie; wie er tagein tagaus seine Winde im Winde baumeln ließ, gleich einem königlichen Mammut, das seinen Rüssel wiegt.
Fritz, unser Hafenkran, muss gehen. In unseren Herzen wird er bleiben. Ist das albern? Mag sein. Es stimmt, dass in Hamburg, Travemünde oder Rotterdam ihrer zahllos ineinander ragen – in der Masse einer wie der andere, gigantische Werkzeuge nur, ersetzbar, namen- und bedeutungslos. Doch wir hatten nur den einen. Er gab unserer kleinen Heimat ein Gesicht, dem wir gern entgegenblickten.
Nun wird er selbst verschifft, statt zu verschiffen, reist vier Tage lang nach Sachsen-Anhalt. In Roßlau wird er noch gebraucht. Hier, bei uns, stiftete er nur Flair. Gönnen wir ihm, unserm Fritz, die späte Karriere. Wünschen wir ihm alles Gute an seinem neuen Bestimmungsort. Bestimmt wird er auch dort dem Firmament eine Zierde sein und jene Menschen verzaubern, die dafür ein Auge haben. Wir jedenfalls werden nie in den Mülheimer Horizont blicken können, ohne dabei Fritz zu sehen. Fritz, unsern Hafenkran.
Text und Bild: Sebastian Züger
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